Vogelpflegestation Schaffhausen – Jahresbericht 2023
Ein intensives Jahr
Neues Jahr – neue Rekorde: es scheint dass wir dauernd neue Höchstmarken setzen müssen, denn die Zahl der Vogel- und Wildtierpatienten steigt weiter von Jahr zu Jahr. 742 Vögel und 76 Wildtiere fanden im 2023 in der Pflegestation Hilfe, mehr als je zuvor.
Bei vielen der Tiere, die zu uns gebracht werden, handelt es sich um häufige Arten, „Allerwelts“-Vögel wie Spatz, Amsel oder Hausrotschwanz. Diese leben besonders häufig im Siedlungsraum und werden dadurch zwar einerseits eher gefunden, wenn sie in Not geraten, andererseits birgt gerade die menschengemachte Umgebung besonders viele Gefahren.
Doch daneben kümmern wir uns auch um viele seltenere und bedrohte Tiere. Viele davon befinden sich leider auch bereits auf der roten Liste, wie z.B. Alpensegler, Gartengrasmücke oder Wendehals. Es waren insgesamt Vertreter von 58 Tier- und Vogelarten, für die wir im 2023 sorgen mussten.
Den Ansprüchen all dieser verschiedenen Tiere gerecht zu werden, erfordert viel Sachkenntnis. Und bisweilen auch viel Geduld: bedenkt man, dass zum Beispiel einem Alpen- oder Mauersegler jeden Tag 70 bis 120 kleine Insekten sorgfältig von Hand gefüttert werden müssen. Und das je nach Alter und Entwicklung eines vorgefundenen Jungvogels 3-8 Wochen lang. 45 Mauersegler und 20 Alpensegler wurden dieses Jahr in der Pflegestation betreut, auch das ist rekordträchtig.
Vögel und Igel
Wir sind zwar eine Vogel- und Wildtierpflegestation, doch betrachtet man unsere Artenliste, dann könnte man meinen, es sei eigentlich eine Vogel- und Igelstation. Natürlich kommen auch Siebenschläfer, Eichhörnchen oder gelegentlich eine Kröte zu uns. Aber mit 64 Pfleglingen sind die Igel weit voraus. Gerade bei den Igeln merken wir, dass es noch viel Aufklärungsarbeit in der Bevölkerung braucht. Es gibt einfache Massnahmen, die den Igeln das Leben erleichtern, und die verhindern könnten, dass sie derart in Not geraten: Gärten mit viel Gebüsch und Hecken als Verstecke, Blumenwiesen, die Insekten anziehen und so für Futter sorgen, Laub oder Asthaufen als Schlafunterkunft und nicht zuletzt ein Verzicht auf gefährliche Mähroboter und Motorsensen. Denn natürlich kümmern wir uns um verletzte oder ausgehungerte Igel, und können ihnen helfen, aber Vorbeugung wäre sogar noch besser.
Ein trauriger Abschied
Leider war das Jahr auch von einem schmerzlichen Verlust geprägt: Piero Godenzi, unser geschätztes Vorstandsmitglied, erlag im Sommer einer schweren Krankheit. Er hatte unserem Tierpflege-Team dank seinem tierärzlichen Fachwissen mit Beratung und Anleitung zur Seite gestanden, und sich mit viel Freude und Herzblut der Vorstandsarbeit gewidmet. Er wird uns allen fehlen.
Dankbarkeit
Gerade im Angesicht der steigenden Patientenzahlen und dem damit verbundenen Anstieg der anfallenden Arbeit und steigenden Kosten, sind wir immer wieder enorm dankbar. Dankbar für unsere vielen Volontäre, die ihre Zeit und Energie zur Verfügung stellen, und unser Team im Pflegealltag unterstützen. Dankbar für unsere Mitglieder, Spender und Gönner, die mit grossen und kleinen Beiträgen die Pflegestation finanzieren. Und dankbar für die wachsende Bereitschaft der Menschen unserer Region, Vögel und Wildtiere wahrzunehmen und zu schätzen.

