Vogel- und Wildtierpflegestation Schaffhausen
Jahresbericht 2024
Jenseits aller Rekorde
Die Zahl der Patienten in der Vogel- und Wildtierpflegestation nimmt seit Jahren tendenziell zu, doch 2024 stellte alles bisher dagewesene in den Schatten. 1’253 Tiere wurden aufgenommen, die eineinhalbfache Anzahl des vorjährigen Rekordes.
Natürlich sind wir enorm dankbar, dass sich das Bedürfnis, Tieren in Not zu helfen, in der Bevölkerung weiter verstärkt. Doch die grosse Anzahl an Patienten brachte die Pflegestation an die Grenzen ihrer Möglichkeiten und teils auch darüber hinaus. Nicht nur der Platz in Käfigen und Volieren wurde knapp, zeitweise konnten sogar die Futterlieferungen mit dem täglichen Bedarf kaum mehr Schritt halten. Unser Team wurde enorm gefordert und nur dank aussergewöhnlichem Einsatz war die intensive Pflege, die Vögel und Wildtiere benötigen, überhaupt möglich.
Wie jedes Jahr konzentrierte sich die grösste Anzahl der Patienten auf die Sommermonate, auf die Brut- und Setzzeit. Gut zwei Drittel unserer Patienten waren Jungtiere, und wer schon einmal Vögel am Nistkasten beobachtet hat, kann sich vielleicht ein Bild machen, wie sich die Betreuung junger Vogelkinder tagtäglich etwa abspielt. Von früh bis spät müssen sie von Hand gefüttert werden, und zwar die meisten mit hochwertigen Futterinsekten, welche einzeln in die hungrigen Schnäbel gereicht werden.
Doch mit der Futterversorgung ist es noch längst nicht getan. Für eine artgerechte Aufzucht müssen wir eine geeignete Umgebung schaffen, die jungen Tiere schrittweise an die Selbständigkeit heranführen und in grosszügigen Volieren auf die erfolgreiche Freilassung vorbereiten.
Dazu kommt, dass viele Tiere in sehr schlechtem Gesundheitszustand zu uns kommen. Fast die Hälfte aller Patienten kommt mit mehr oder weniger gravierenden Verletzungen in der Pflegestation an und nicht wenige leiden an Parasiten oder Krankheiten. Mit grossem Sachverstand und Sorgfalt versorgen wir die Wunden, verabreichen Medikamente und tun alles, um das Leiden der Tiere zu lindern.
Für besonders schwierige Fälle haben wir das grosse Glück, dass wir auf die tatkräftige Unterstützung der Tierärzte in der Region zählen dürfen. Unkompliziert dürfen wir Patienten zum Röntgen vorbeibringen, die benötigten Medikamente besorgen, und die Veterinäre für eine Konsultation beiziehen, alles um das bestmögliche Ergebnis für die tierischen Patienten zu erreichen.
Es steckt also insgesamt viel Aufwand hinter unserer Arbeit. Doch jedes gerettete Leben macht den Aufwand mehr als wett. Angesichts der zunehmenden Gefährdung vieler einheimischer Tierarten, freut es uns besonders, dass wir regelmässig Tiere retten können, die bereits auf der roten Liste stehen, wie zum Beispiel Alpensegler, Dohlen, Igel oder Mehlschwalben.
Doch eine aussergewöhnliche Anzahl Patienten führt auch zu aussergewöhnlich hohen Kosten. Die finanziellen Mittel des gemeinnützigen Vereins wurden tatsächlich bis zum Äussersten strapaziert. Dank einer Welle der Zuwendungen die unserem Spendenaufruf im Herbst folgte, konnte das Schlimmste jedoch verhindert werden und wir sind enorm dankbar, dass wir mit so grosser Unterstützung unsere Arbeit zugunsten der Vögel und Wildtiere auch in Zukunft weiterführen können.

